GbP 1-2019 Stegmüller Nachruf

Klug, geduldig, freundlich

Zum Tod von Klaus Stegmüller

Am 23. Dezember 2018 starb im Alter von gerade einmal 59 Jahren unser lieber Freund und Redaktionskollege Klaus Stegmüller. Im Jahr 2015 war bei ihm eine Krebsdiagnose gestellt worden. In der darauffolgenden für Klaus und seine Frau Martina sehr schweren Zeit hofften wir immer wieder, dass am Ende doch alles gut werden möge. Aber das wurde es nicht.
In der Redaktion des Jahrbuchs für Kritische Medizin und Gesundheitswissenschaften war Klaus einer der »Dienstältesten«. Als es im Jahr 1997 darum ging, das Jahrbuch personell und inhaltlich neu aufzustellen, war klar, dass er unbedingt dabei sein sollte. Einige von uns kannten ihn schon seit dem Studium in Marburg und/oder aus seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medizinische Soziologie in Frankfurt a.M. und wussten, dass er durch seinen hohen Sachverstand und kritischen Geist, aber auch durch die ihm eigene Zuverlässigkeit und menschliche Güte ein ungeheuer wertvoller Mitstreiter sein würde. Gerade in komplizierten Situationen, wenn es mit der Erstellung eines Bandes oder im redaktionellen Miteinander nicht so gut lief, bewies Klaus ein ums andere Mal, wie richtig wir damit lagen. Dass es uns dann zumeist doch gelang, Problemlösungen zu finden und Bände von hoher Qualität herauszubringen, verdanken wir maßgeblich auch seiner Klugheit, Geduld und Freundlichkeit. Und wenn es uns einmal nicht so gut gelang, lag es am Allerwenigsten an ihm.
Es wäre ein Leichtes, an dieser Stelle eine umfangreiche Aufzählung von Klaus Stegmüllers vielgestaltigen wissenschaftlichen Aktivitäten und seinen beeindruckenden Leistungen in Forschung und Lehre zu liefern. Wichtiger ist es uns jedoch, auf die enge und fruchtbare Verbindung hinzuweisen, die wissenschaftliches Erkenntnisinteresse, gesellschaftskritischer Impetus und politischer Veränderungswille im Denken und Handeln von Klaus eingingen. Die Haltung, die er insbesondere in der Auseinandersetzung mit seinen aus der 68er-Bewegung kommenden akademischen Lehrern in Marburg sowie durch sein gewerkschaftliches Engagement und den Protestzyklus der 1980er Jahre entwickelt hatte, bewahrte er sich auch in seinem späteren Wirken auf dem Gebiet der Gesundheitssystemanalyse und -gestaltung.
Für ein gesellschaftskritisch fundiertes gegentendenzielles Denken und Handeln braucht es immer wieder »Anstifter*innen« –- Menschen, die in Wort und Tat als Vorbilder für kritisches intellektuelles und politisches Engagement fungieren. Ein solches Vorbild war Klaus Stegmüller. Daran werden sich mit uns viele Menschen noch lange erinnern.
Über den Verlust eines liebenswerten, klugen und humorvollen Kollegen, der vielen von uns warmherziger Freund und intellektueller und politischer Wegbegleiter war, sind wir unendlich traurig.

Die Herausgeber des Jahrbuchs für Kritische Medizin und Gesundheitswissenschaften

 

(aus: Gesundheit braucht Politik. Zeitschrift für eine soziale Medizin, Schwerpunkt: Ökonomisierung und Privatisierung international, 1/2019)


Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte
Gesundheit braucht Politik wird vom ärztlichen Berufsverband vdää herausgegeben, der sich als Alternative zu standespolitisch wirkenden Ärzteverbänden versteht.

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